Aktuell zum Saisonstart

Kann Kälte töten?

Gefahren beim Sturz in kaltes Wasser

 
Diese Polizeimeldung war am 22.03.2010 in den Cuxhavener Nachrichten zu lesen:
 
Vergebliche Suche – Tödlicher Sturz in die Leine
Hannover. Ein junger Mann ist am Samstagabend in die Leine in Hannover gefallen
und ertrunken. Ein Augenzeuge hatte den Sturz beobachtet. Taucher suchten
stundenlang nach dem Vermissten; er konnte am frühen Sonntagmorgen nur noch
tot geborgen werden. (dpa)
 
Nachfragen bei der Polizei in Hannover haben ergeben, dass der Verunfallte ein
sonst gesunder Mann von 24 Jahren war, der in alkoholisiertem Zustand mit der
Witterung angepasster Bekleidung aus geringer Höhe in den Fluss gefallen
war. Die gerichtliche Obduktion konnte „Tod durch Ertrinken“ feststellen.
 
 
In eine vergleichbare Situation kann man nicht nur beim Segeln, sondern auch am
Hafen kommen. Besonders hervorzuheben ist: eine junge und gesunde Person fällt
in ein kaltes Gewässer und ertrinkt.
 
Unser Gefahrenbewusstsein ist diesbezüglich nicht besonders ausgeprägt, weil:
 
1. wir das Risiko unterschätzen, dass man überhaupt ins Wasser fallen könnte,
2. wir dann der Meinung sind, dass wir leicht wieder herausklettern können, sollten wir wirklich einmal ins Wasser gefallen sein,
3. uns die Risiken des Kälteschocks nicht bekannt sind.
 
Der nachfolgende Artikel soll auf die besonderen Gefahren beim Sturz in kaltes
Wasser aufmerksam machen. Herrn Dr. Kohfahl aus Cuxhaven danken wir für die
Erlaubnis der Veröffentlichung.
 
Beim Sturz in kaltes Wasser lassen sich 4 Stadien unterscheiden, die zu
unterschiedlichen Zeitpunkten nach dem Unfall zum Tode führen können.
Entscheidend sind aber die ersten beiden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit
unmittelbar Ertrinken nach sich ziehen können, wenn keine „wasserdichte“
Schutzkleidung getragen wird.
In diesem Zusammenhang bedeutet „kalt“ eine Wassertemperatur von 15°C und
weniger! Aber die Reaktionen des Organismus auf Eintauchen in kaltes Wasser sind
von Mensch zu Mensch verschieden. Wer nicht an Kälte gewöhnt ist, bei dem
können dies fatalen Mechanismen sogar schon bei Temperaturen ab 25°C auftreten.
 
1. Stadium: Sofortreaktion oder Kälteschock. Ursächlich ist der plötzliche
Kältereiz auf der Haut. Diese kann innerhalb von 3 – 5 Minuten nach dem
Eintauchen zum Tod führen.
Nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Ursächlich sind die Reaktionen des Kreislaufs und der Atmung auf den Kältereiz. Die
Reaktion setzt sofort ein, hat ihren Höhepunkt nach 30 Sekunden und kann
3 – 5 Minuten andauern. Es spielt keine Rolle über wie viel isolierendes Fett der
Körper verfügt.
Schon bei Wassertemperaturen ab 25°C setzt eine verstärkte Atmung ein. Bei
kälterem Wasser (unter 15°C ) kommt es sofort zu einem massiven Atemzug, der
bis zu 2-3 l Volumen umfassen kann und in eine unkontrollierte Hyperventilation
(beschleunigte Atmung) übergeht. Es wird bis zu 4-mal so schnell geatmet wie im
Ruhezustand, was zu Schwindel, Verwirrtheitszuständen und Panik mit dem Gefühl
von Luftnot führen kann(1,4).
Die Fähigkeit eines normal bekleideten Menschen, an der Luft den Atem im
Durchschnitt für über 1 Minute anhalten zu können, reduziert sich beim Eintauchen in
kaltes Wasser auf weniger als 10 Sekunden! Wenn man sich dann noch eine
unruhige Wasseroberfläche mit etwas Seegang oder kurzen Wellen vorstellt, die
immer wieder den Kopf und die Atemwege überspülen, dann besteht für die
verunfallte Person ein hohes Risiko Wasser einzuatmen, bevor es gelingt, die
Atmung unter Kontrolle zu bringen. Das benötigte Volumen an Flüssigkeit, das zum
Ertrinkungstod führen kann, ist wirklich gering. Es beträgt nämlich nur ¼ bis ½ Liter.
Das so genannte Atemvolumen, welches sich aus Atemfrequenz und eingeatmetem
Luftvolumen pro Minute errechnet, beträgt für einen erwachsenen Mann in Ruhe
etwa 6 -8 Liter.
Wenn man in kaltes Wasser fällt, so kann das Atemvolumen auf bis zu 150 Liter in
der ersten Minute ansteigen ( 1 ). Damit wird deutlich, dass es nur geringer
Wassermengen durch z.B. Inhalation von Gischt bei jedem Atemzug bedarf, um die
Lungenfunktion drastisch zu verschlechtern.
Tod durch Ertrinken infolge Beeinträchtigung der Atmung ist das
Hauptproblem für sonst gesunde und auch junge Menschen.
Zeitgleich kommt es durch den Kältereiz zu einer Verengung der Blutgefäße in der
Haut und durch den Wasserdruck auf die Beine zu einem Verschieben von mehr
Blutvolumen in den Brustkorb und zum Herzen. Durch den erhöhten Widerstand in
den Schlagadern und durch ein erhöhtes Angebot an Blut muss das Herz mehr
pumpen, wodurch die Herzfrequenz und der Blutdruck krisenhaft ansteigen.
Diese kann insbesondere bei schon vorliegendem hohen Blutdruck oder auch bei
älteren Menschen zu Herzinfarkt, Hirnblutung oder Schlaganfall führen. Der
zwangsläufige Anstieg von Stresshormonen kann Herzrhythmusstörungen
hervorrufen, was ebenfalls unmittelbar zu Bewusstlosigkeit mit Tod durch Ertrinken
führen kann.
 
2. Stadium: kurzfristige Reaktion oder Schwimmversagen. Ursächlich ist der
Kälteeinfluss auf Muskulatur und Nerven. Diese kann innerhalb von
5 – 30 Minuten nach Eintauchen zum Tode führen!
Nach der Haut kühlen als nächstes Nerven, Muskulatur und die Gelenke der
Extremitäten herunter. Dieses geschieht vor allem deshalb, weil Arme und Beine eine
große Oberfläche besitzen und die verengten Blutgefäße der Haut kein Blut mehr
zur Wärmeproduktion heranführen.
Für viele Aktivitäten, die für das Überleben wichtig sind, brauchen wir die Funktion
Unserer Hände. Die manuelle Geschicklichkeit, die Kraft und die Möglichkeit sich
zügig zu bewegen können sehr schnell nach Eintauchen in kaltes Wasser um
60 – 80% zurückgehen. Insbesondere die Kraft in den Fingern kann nach 5 Minuten
in 5°C kaltem Wasser um 20% verringert sein ( 1 ). Damit kann es schon schwierig
werden, z.B. die Rettungsweste aufzublasen, ein Spraycap hervorzuziehen, eine
Leine zu knoten oder sich irgendwo festzuhalten.
Wenn man das 1. Stadium, d.h. die ersten 5 Minuten, überlebt hat, aber keine
Rettungs- oder Schwimmweste trägt, die für Auftrieb sorgt, dann kann man sich nur
schwimmend an der Oberfläche halten. Koordinierte Schwimmbewegungen in den
ersten Minuten nach Sturz in kaltes Wasser auszuführen, ist aber wegen der
Hyperventilation und der Panik extrem schwierig, meistens sogar unmöglich.
Es wurde beobachtet, dass Personen, die man als „gute“ Schwimmer in warmem
Wasser einschätzte,
noch nicht mal in der Lage waren, eine Strecke von 2 – 3 Metern in kaltem Wasser
zurückzulegen, um
sich zu retten ( 1).
Wenn es einem trotzdem gelingt, am Anfang Schwimmzüge durchzuführen, dann
sinkt der Körper sehr schnell infolge der nicht mehr funktionierenden kalten
Muskulatur von der horizontalen in eine vertikale Lage ab. Dies führt zu immer
schnelleren, ineffektiveren und unkoordinierten Arm- und Beinbewegungen, erhöhter
Atemfrequenz und schließlich zum Unvermögen, den Kopf über Wasser halten zu
können.
 
3. Stadium: Unterkühlung ( Hypothermie ) : diese kann nach 30 Minuten in
kaltem Wasser und infolge Bewusstlosigkeit zum Ertrinkungstod führen. *
 
4.Stadium: Kreislaufzusammenbruch nach der Rettung. Ursache hierfür ist der
Abfall des Blutdrucks, nachdem der Verunfallte aus dem Wasser gerettet
wurde. *
 
*Die Stadien 3. und 4., die letzten beiden Stadien werden in diesem Artikel nicht
weiter abgehandelt.
Wichtig zu wissen ist, dass die beschriebenen ersten beiden Mechanismen vor dem
Eintritt der Unterkühlung ( Hypothermie ) auftreten. Vor allem das
Schwimmversagen ist die häufigste Ursache für den Ertrinkungstod! Die Statistiken
in England berichten, dass sich bis zu 55% der jährlichen Ertrinkungsunfälle in
offenem Wasser innerhalb von 3 Metern (!) Entfernung zu einer „sicheren“ Plattform
ereignen. (1)
 
Was bedeutet das jetzt für den Wassersportler im Frühjahr auf der Elbe, der Alster,
der Ostsee oder wo sonst auch immer das Wasser auch im Sommer nicht wärmer
als 15°C ist?
Man darf auf gar keinen Fall ins Wasser fallen! Es kann auch für junge gesunde
Menschen ohne entsprechende Bekleidung und Rettungsweste den sicheren Tod
bedeuten. Diese Gefahr wird einfach unterschätzt!
Die „Garderobe“ sollte aus gut isolierender Wetterschutz- Bekleidung bestehen und
an Hand- und Fußgelenken so dicht wie möglich anliegen, damit der Wassereintritt
reduziert werden kann. Am besten ist ein atmungsaktiver Kälteschutzanzug. Die
„Dicke“ der isolierenden Schicht sollte sich so weit wie möglich an der Wasser- und
nicht an der Lufttemperatur orientieren. Die Frühlingssonne wärmt leider nur die
Haut und schützt nicht.
Eine Rettungsweste oder eine sonstige Schwimmhilfe erhöht drastisch die Chance
zu überleben! Und es sei nochmals betont: ein Schrittgurt ist ein unverzichtbarer
Bestandteil einer Rettungsweste, damit diese nicht über den Kopf rutschen kann. Es
gibt genügend Beispiele von tragischen Unglücken, die das belegen. Die Meinung
internationaler Experten ist diesbezüglich eindeutig - siehe Literatur bei1,2,4,5.
Eine nur locker am Körper sitzende Rettungsweste ohne Schrittgurt vermittelt
ein Gefühl trügerischer Sicherheit!
Dr. med. Jens Kohfahl, Cuxhaven, den 5.3.2010
Literatur:
(1) Golden/ Tipton: Essentials of Sea Survival
(2) Bierens: Handbook on Drowning
(3) IMO: A pocket guide to Cold Water Survival
(4) NATO: Survival at Sea Mainers, Aviators and Search and Rescue Personnel
(5) Department of Transport, Canada: Survival in Cold Waters: Staying Alive
Rettungswesten sind nutzlos
solange sie nicht getragen werden
Unter dieser Überschrift mit dem Zusatztitel „The cold water killer“, frei übersetzt
etwa: der „Kaltwassertod“ oder „Stirb schneller in kaltem Wasser“, findet sich in der
englischen Zeitschrift „Yachting Monthly“ vom April 2010 folgender Artikel.
Eine kürzlich von der MCA (Maritime and Coastguard Agency) und der RNLI (Royal
National Lifeboat Institution) in Auftrag gegebene Untersuchung, enthüllt die
Fehleinschätzung des Risikos, die mit einem Sturz ins Wasser verbunden ist.
Um ansatzweise zu verstehen, warum viele von uns keine Rettungsweste tragen,
obwohl sie eine besitzen, haben MCA und RNLI die Firma User Perspective Ltd. mit
einer Untersuchung zu diesem Sachverhalt beauftragt. Dabei zeigte sich, dass
das Risiko ins Wasser zu stürzen unterschätzt wird.
Wir glauben, leicht wieder aus dem Wasser klettern zu können, sollten wir tatsächlich
hineingefallen zu sein und
die große Mehrheit nichts über die Risiken der Kälteschockreaktion weiß.
Viele von uns haben es entweder selbst erlebt oder zumindest davon gehört, dass
jemand ins Wasser gefallen ist. Tatsächlich ist das Risiko für den erfahrenen Segler
gering. Aber keiner würde bestreiten, dass es nicht doch passieren könnte.
Prominentes Beispiel ist der Franzose Eric Tabarly – Anm. d. Übersetzers.
Die zweite Erkenntnis ist allerdings überraschend, dass es nämlich sehr schwierig ist,
eine ins Wasser gefallene Person wieder an Bord zu bekommen. Es existieren viele
Handlungsanweisungen und viele von uns beherrschen diese auch in der Theorie,
aber wenige haben sie tatsächlich in einer Stresssituation geübt. Funktioniert das
Manöver wirklich? Wie lange dauert es, jemand wieder an Bord zu bekommen?
Welche Risiken bestehen für alle Beteiligten? Es ist jedoch die so genannte
Kälteschockreaktion, die am wenigsten bekannt ist. Egal zu welcher Jahreszeit, die
Gewässer um Großbritannien sind immer als kalt anzusehen, so dass der Sturz in
kaltes Wasser ganz bestimmte unwillkürliche Reaktionen des Körpers hervorruft.
Beim Eintauchen ins Wasser reagiert der Körper mit einem tiefen Atemzug, und
dies möglicherweise auch schon, während der Kopf noch unter Wasser ist.
Dann folgen (im Vergleich zum Ruhezustand) 5- 6 mal so schnelle heftige
Atemzüge (Hyperventilation). Weiterhin steigen Herzfrequenz und Blutdruck
erheblich an. Diese Reaktion dauert etwa 2- 3 Minuten.
Die nicht zu kontrollierende Hyperventilation erhöht deutlich das Risiko, selbst
kleinste Mengen von Wasser einzuatmen, die ausreichen um zu ertrinken.
Weiterhin kann diese extreme Atmung zu Muskelkrämpfen und verringerter
Durchblutung des Gehirns führen, was die geistige Leistungsfähigkeit ( in einer
Überlebenssituation- Anm. d. Übers.) reduziert.
Mit weiterer Auskühlung des Körpers versagen die Funktionen von Nerven und
Muskeln der Arme und Beine, was innerhalb von Minuten dazu führt, dass die
Schwimmfähigkeit beeinträchtigt und die Greiffähigkeit der Hände reduziert ist.
Prof. Michael Tipton von der Universität von Portsmouth führt hierzu aus:
„Wenn man sich in einer derartigen Situation befindet, dann verdoppelt sich die
Chance zu überleben, wenn man eine funktionstüchtige und korrekt angelegte
Rettungsweste trägt. Man muss berücksichtigen, dass die ersten Minuten nach
einem Sturz ins Wasser extrem gefährlich sind. Man soll keine Schwimmversuche
unternehmen, außer man befindet sich direkt neben einem Boot im Wasser. Dann
soll man versuchen, erstmal zur Ruhe zu kommen und einen Gegenstand finden, an
dem man sich zumindest solange festhalten kann, bis man seine Atmung unter
Kontrolle gebracht hat.
Jetzt hat man etwa 20 Minuten Zeit zu entscheiden, ob man es zurück zum Boot
schaffen könnte oder besser um Hilfe ruft, bevor die Muskelkraft versagt. Unsere
Studien haben gezeigt, dass man am ehesten überleben kann, wenn einem klar ist,
welche Reaktionen es im Körper auslöst, wenn man ins Wasser gefallen ist und
wenn man hierauf mental vorbereitet ist.
Ein Schrittgurt oder ein anderes entsprechendes Fixierungssystem hält die
Rettungsweste in einer korrekten Position und verbessert den Auftrieb. Eine
Spritzschutzkappe schützt die Atemwege, wenn man infolge der Hypothermie
(Unterkühlung) bewusstlos werden sollte. Eine Rettungsweste bewahrt einen vor
Erschöpfung, indem man sich ausruhen kann, anstelle schwimmen zu müssen, um
sich über Wasser zu halten. Schwimmbewegungen in kaltem Wasser begünstigen
die Auskühlung des Körpers, so dass eine Rettungsweste auch zum Wärmeerhalt
des Körpers beiträgt. Die Signalfarbe des Auftriebskörpers, Reflexstreifen, Licht und
Trillerpfeife helfen bei der Suche und Rettung des Verunfallten.“
„Niemand fällt absichtlich ins Wasser“ ergänzt Geoff Matthews, HM Coastguard
Search and Rescue Officer. „ Aber Unfälle passieren nun mal. Training und
Gefahrenbewusstsein helfen enorm, aber es ist eine Tatsache, dass das Leben
etlicher Menschen jedes Jahr hätte gerettet werden können, wenn diese eine korrekt
angelegte und funktionstüchtige Rettungsweste getragen hätten.“
Die Überlebenszeit nach einem Sturz ins Wasser ist mehr als doppelt so hoch,
wenn eine Rettungsweste getragen wird. Schrittgurte und eine
Spritzschutzhaube sorgen dafür, dass diese nicht über den Kopf rutschen kann
bzw. dass die Atemwege geschützt werden.
Ergänzung
Der kanadische Mediziner Prof. Gordon Giesbrecht von der Uni Manitoba schreibt
ebenfalls zu diesem Themenkomplex im 5. Kapitel (Keep Your Head Up: Cold Water
Immersions) seines Buches über Hypothermie:
Eine Minute
Zehn Minuten
Eine Stunde
Durch den Slogan „ eine Minute- zehn Minuten- eine Stunde „ kann man sich auf
einfache Weise die ersten drei Phasen nach dem Sturz in kaltes Wasser
merken und was man während jeder Phase tun kann, um seine Überlebenschancen
zu erhöhen. Die angenommenen Zeiten variieren zwar in gewissen Grenzen, sind
aber als Schätzwerte absolut brauchbar.
Nachdem eine Person in sehr kaltes Wasser gefallen ist, hat bzw. braucht man
- 1Minute um seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Panik muss unbedingt vermieden werden.
- 10 Minuten für zielgerichtete Bewegungen. Dies wäre die Zeit, um aus dem Wasser zu gelangen oder die Situation in irgendeiner Weise zu stabilisieren.
- 1 Stunde bevor man infolge Unterkühlung (Hypothermie) bewusstlos wird. Unnötige und heftige Schwimmbewegungen sollten unbedingt vermieden werden, um den Wärmeverlust zu reduzieren und damit die Chance auf Rettung zu erhöhen. Wer eine Rettungs- oder Schwimmweste trägt, dem steht vielleicht noch eine weitere Stunde zur Verfügung, bevor es infolge der Hypothermie zum Herzstillstand kommt.
(zitiert aus “Hypothermia, Frostbite And Other Cold Injuries“- Prevention, Survival,
Rescue and Treatment von Gordon G. Giesbrecht und James A. Wilkerson – The
Mountaineers Books)
Übersetzung aus dem Englischen von Dr. J. Kohfahl Mai 2010
Gefunden in: ESV Informationen 3/11Kann Kälte töten?
Gefahren beim Sturz in kaltes Wasser
Diese Polizeimeldung war am 22.03.2010 in den Cuxhavener Nachrichten zu lesen:
Vergebliche Suche – Tödlicher Sturz in die Leine
Hannover. Ein junger Mann ist am Samstagabend in die Leine in Hannover gefallen
und ertrunken. Ein Augenzeuge hatte den Sturz beobachtet. Taucher suchten
stundenlang nach dem Vermissten; er konnte am frühen Sonntagmorgen nur noch
tot geborgen werden. (dpa)
Nachfragen bei der Polizei in Hannover haben ergeben, dass der Verunfallte ein
sonst gesunder Mann von 24 Jahren war, der in alkoholisiertem Zustand mit der
Witterung angepasster Bekleidung aus geringer Höhe in den Fluss gefallen
war. Die gerichtliche Obduktion konnte „Tod durch Ertrinken“ feststellen.
In eine vergleichbare Situation kann man nicht nur beim Segeln, sondern auch am
Hafen kommen. Besonders hervorzuheben ist: eine junge und gesunde Person fällt
in ein kaltes Gewässer und ertrinkt.
Unser Gefahrenbewusstsein ist diesbezüglich nicht besonders ausgeprägt, weil:
1. wir das Risiko unterschätzen, dass man überhaupt ins Wasser fallen könnte,
2. wir dann der Meinung sind, dass wir leicht wieder herausklettern können, sollten wir wirklich einmal ins Wasser gefallen sein,
3. uns die Risiken des Kälteschocks nicht bekannt sind.
Der nachfolgende Artikel macht auf die besonderen Gefahren beim Sturz in kaltes
Wasser aufmerksam machen. Herrn Dr. Kohfahl aus Cuxhaven danken wir für die
Erlaubnis der Veröffentlichung.
_____________________________________________
Beim Sturz in kaltes Wasser lassen sich 4 Stadien unterscheiden, die zu
unterschiedlichen Zeitpunkten nach dem Unfall zum Tode führen können.
Entscheidend sind aber die ersten beiden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit
unmittelbar Ertrinken nach sich ziehen können, wenn keine „wasserdichte“
Schutzkleidung getragen wird.
In diesem Zusammenhang bedeutet „kalt“ eine Wassertemperatur von 15°C und
weniger! Aber die Reaktionen des Organismus auf Eintauchen in kaltes Wasser sind
von Mensch zu Mensch verschieden. Wer nicht an Kälte gewöhnt ist, bei dem
können dies fatalen Mechanismen sogar schon bei Temperaturen ab 25°C auftreten.
1. Stadium: Sofortreaktion oder Kälteschock. Ursächlich ist der plötzliche
Kältereiz auf der Haut. Diese kann innerhalb von 3 – 5 Minuten nach dem
Eintauchen zum Tod führen.
Nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Ursächlich sind die Reaktionen des Kreislaufs und der Atmung auf den Kältereiz. Die
Reaktion setzt sofort ein, hat ihren Höhepunkt nach 30 Sekunden und kann
3 – 5 Minuten andauern. Es spielt keine Rolle über wie viel isolierendes Fett der
Körper verfügt.
Schon bei Wassertemperaturen ab 25°C setzt eine verstärkte Atmung ein. Bei
kälterem Wasser (unter 15°C ) kommt es sofort zu einem massiven Atemzug, der
bis zu 2-3 l Volumen umfassen kann und in eine unkontrollierte Hyperventilation
(beschleunigte Atmung) übergeht. Es wird bis zu 4-mal so schnell geatmet wie im
Ruhezustand, was zu Schwindel, Verwirrtheitszuständen und Panik mit dem Gefühl
von Luftnot führen kann(1,4).
Die Fähigkeit eines normal bekleideten Menschen, an der Luft den Atem im
Durchschnitt für über 1 Minute anhalten zu können, reduziert sich beim Eintauchen in
kaltes Wasser auf weniger als 10 Sekunden! Wenn man sich dann noch eine
unruhige Wasseroberfläche mit etwas Seegang oder kurzen Wellen vorstellt, die
immer wieder den Kopf und die Atemwege überspülen, dann besteht für die
verunfallte Person ein hohes Risiko Wasser einzuatmen, bevor es gelingt, die
Atmung unter Kontrolle zu bringen. Das benötigte Volumen an Flüssigkeit, das zum
Ertrinkungstod führen kann, ist wirklich gering. Es beträgt nämlich nur ¼ bis ½ Liter.
Das so genannte Atemvolumen, welches sich aus Atemfrequenz und eingeatmetem
Luftvolumen pro Minute errechnet, beträgt für einen erwachsenen Mann in Ruhe
etwa 6 -8 Liter.
Wenn man in kaltes Wasser fällt, so kann das Atemvolumen auf bis zu 150 Liter in
der ersten Minute ansteigen ( 1 ). Damit wird deutlich, dass es nur geringer
Wassermengen durch z.B. Inhalation von Gischt bei jedem Atemzug bedarf, um die
Lungenfunktion drastisch zu verschlechtern.
Tod durch Ertrinken infolge Beeinträchtigung der Atmung ist das
Hauptproblem für sonst gesunde und auch junge Menschen.
Zeitgleich kommt es durch den Kältereiz zu einer Verengung der Blutgefäße in der
Haut und durch den Wasserdruck auf die Beine zu einem Verschieben von mehr
Blutvolumen in den Brustkorb und zum Herzen. Durch den erhöhten Widerstand in
den Schlagadern und durch ein erhöhtes Angebot an Blut muss das Herz mehr
pumpen, wodurch die Herzfrequenz und der Blutdruck krisenhaft ansteigen.
Diese kann insbesondere bei schon vorliegendem hohen Blutdruck oder auch bei
älteren Menschen zu Herzinfarkt, Hirnblutung oder Schlaganfall führen. Der
zwangsläufige Anstieg von Stresshormonen kann Herzrhythmusstörungen
hervorrufen, was ebenfalls unmittelbar zu Bewusstlosigkeit mit Tod durch Ertrinken
führen kann.
2. Stadium: kurzfristige Reaktion oder Schwimmversagen. Ursächlich ist der
Kälteeinfluss auf Muskulatur und Nerven. Diese kann innerhalb von
5 – 30 Minuten nach Eintauchen zum Tode führen!
Nach der Haut kühlen als nächstes Nerven, Muskulatur und die Gelenke der
Extremitäten herunter. Dieses geschieht vor allem deshalb, weil Arme und Beine eine
große Oberfläche besitzen und die verengten Blutgefäße der Haut kein Blut mehr
zur Wärmeproduktion heranführen.
Für viele Aktivitäten, die für das Überleben wichtig sind, brauchen wir die Funktion
Unserer Hände. Die manuelle Geschicklichkeit, die Kraft und die Möglichkeit sich
zügig zu bewegen können sehr schnell nach Eintauchen in kaltes Wasser um
60 – 80% zurückgehen. Insbesondere die Kraft in den Fingern kann nach 5 Minuten
in 5°C kaltem Wasser um 20% verringert sein ( 1 ). Damit kann es schon schwierig
werden, z.B. die Rettungsweste aufzublasen, ein Spraycap hervorzuziehen, eine
Leine zu knoten oder sich irgendwo festzuhalten.
Wenn man das 1. Stadium, d.h. die ersten 5 Minuten, überlebt hat, aber keine
Rettungs- oder Schwimmweste trägt, die für Auftrieb sorgt, dann kann man sich nur
schwimmend an der Oberfläche halten. Koordinierte Schwimmbewegungen in den
ersten Minuten nach Sturz in kaltes Wasser auszuführen, ist aber wegen der
Hyperventilation und der Panik extrem schwierig, meistens sogar unmöglich.
Es wurde beobachtet, dass Personen, die man als „gute“ Schwimmer in warmem
Wasser einschätzte,
noch nicht mal in der Lage waren, eine Strecke von 2 – 3 Metern in kaltem Wasser
zurückzulegen, um
sich zu retten ( 1).
Wenn es einem trotzdem gelingt, am Anfang Schwimmzüge durchzuführen, dann
sinkt der Körper sehr schnell infolge der nicht mehr funktionierenden kalten
Muskulatur von der horizontalen in eine vertikale Lage ab. Dies führt zu immer
schnelleren, ineffektiveren und unkoordinierten Arm- und Beinbewegungen, erhöhter
Atemfrequenz und schließlich zum Unvermögen, den Kopf über Wasser halten zu
können.
3. Stadium: Unterkühlung ( Hypothermie ) : diese kann nach 30 Minuten in
kaltem Wasser und infolge Bewusstlosigkeit zum Ertrinkungstod führen. *
4.Stadium: Kreislaufzusammenbruch nach der Rettung. Ursache hierfür ist der
Abfall des Blutdrucks, nachdem der Verunfallte aus dem Wasser gerettet
wurde. *
*Die Stadien 3. und 4., die letzten beiden Stadien werden in diesem Artikel nicht
weiter abgehandelt.
Wichtig zu wissen ist, dass die beschriebenen ersten beiden Mechanismen vor dem
Eintritt der Unterkühlung ( Hypothermie ) auftreten. Vor allem das
Schwimmversagen ist die häufigste Ursache für den Ertrinkungstod! Die Statistiken
in England berichten, dass sich bis zu 55% der jährlichen Ertrinkungsunfälle in
offenem Wasser innerhalb von 3 Metern (!) Entfernung zu einer „sicheren“ Plattform
ereignen. (1)
Was bedeutet das jetzt für den Wassersportler im Frühjahr auf der Elbe, der Alster,
der Ostsee oder wo sonst auch immer das Wasser auch im Sommer nicht wärmer
als 15°C ist?
Man darf auf gar keinen Fall ins Wasser fallen! Es kann auch für junge gesunde
Menschen ohne entsprechende Bekleidung und Rettungsweste den sicheren Tod
bedeuten. Diese Gefahr wird einfach unterschätzt!
Die „Garderobe“ sollte aus gut isolierender Wetterschutz- Bekleidung bestehen und
an Hand- und Fußgelenken so dicht wie möglich anliegen, damit der Wassereintritt
reduziert werden kann. Am besten ist ein atmungsaktiver Kälteschutzanzug. Die
„Dicke“ der isolierenden Schicht sollte sich so weit wie möglich an der Wasser- und
nicht an der Lufttemperatur orientieren. Die Frühlingssonne wärmt leider nur die
Haut und schützt nicht.
Eine Rettungsweste oder eine sonstige Schwimmhilfe erhöht drastisch die Chance
zu überleben! Und es sei nochmals betont: ein Schrittgurt ist ein unverzichtbarer
Bestandteil einer Rettungsweste, damit diese nicht über den Kopf rutschen kann. Es
gibt genügend Beispiele von tragischen Unglücken, die das belegen. Die Meinung
internationaler Experten ist diesbezüglich eindeutig - siehe Literatur bei1,2,4,5.
Eine nur locker am Körper sitzende Rettungsweste ohne Schrittgurt vermittelt
ein Gefühl trügerischer Sicherheit!
Dr. med. Jens Kohfahl, Cuxhaven, den 5.3.2010
Literatur:
(1) Golden/ Tipton: Essentials of Sea Survival
(2) Bierens: Handbook on Drowning
(3) IMO: A pocket guide to Cold Water Survival
(4) NATO: Survival at Sea Mainers, Aviators and Search and Rescue Personnel
(5) Department of Transport, Canada: Survival in Cold Waters: Staying Alive
Rettungswesten sind nutzlos
solange sie nicht getragen werden
Unter dieser Überschrift mit dem Zusatztitel „The cold water killer“, frei übersetzt
etwa: der „Kaltwassertod“ oder „Stirb schneller in kaltem Wasser“, findet sich in der
englischen Zeitschrift „Yachting Monthly“ vom April 2010 folgender Artikel.
Eine kürzlich von der MCA (Maritime and Coastguard Agency) und der RNLI (Royal
National Lifeboat Institution) in Auftrag gegebene Untersuchung, enthüllt die
Fehleinschätzung des Risikos, die mit einem Sturz ins Wasser verbunden ist.
Um ansatzweise zu verstehen, warum viele von uns keine Rettungsweste tragen,
obwohl sie eine besitzen, haben MCA und RNLI die Firma User Perspective Ltd. mit
einer Untersuchung zu diesem Sachverhalt beauftragt. Dabei zeigte sich, dass
das Risiko ins Wasser zu stürzen unterschätzt wird.
Wir glauben, leicht wieder aus dem Wasser klettern zu können, sollten wir tatsächlich
hineingefallen zu sein und
die große Mehrheit nichts über die Risiken der Kälteschockreaktion weiß.
Viele von uns haben es entweder selbst erlebt oder zumindest davon gehört, dass
jemand ins Wasser gefallen ist. Tatsächlich ist das Risiko für den erfahrenen Segler
gering. Aber keiner würde bestreiten, dass es nicht doch passieren könnte.
Prominentes Beispiel ist der Franzose Eric Tabarly – Anm. d. Übersetzers.
Die zweite Erkenntnis ist allerdings überraschend, dass es nämlich sehr schwierig ist,
eine ins Wasser gefallene Person wieder an Bord zu bekommen. Es existieren viele
Handlungsanweisungen und viele von uns beherrschen diese auch in der Theorie,
aber wenige haben sie tatsächlich in einer Stresssituation geübt. Funktioniert das
Manöver wirklich? Wie lange dauert es, jemand wieder an Bord zu bekommen?
Welche Risiken bestehen für alle Beteiligten? Es ist jedoch die so genannte
Kälteschockreaktion, die am wenigsten bekannt ist. Egal zu welcher Jahreszeit, die
Gewässer um Großbritannien sind immer als kalt anzusehen, so dass der Sturz in
kaltes Wasser ganz bestimmte unwillkürliche Reaktionen des Körpers hervorruft.
Beim Eintauchen ins Wasser reagiert der Körper mit einem tiefen Atemzug, und
dies möglicherweise auch schon, während der Kopf noch unter Wasser ist.
Dann folgen (im Vergleich zum Ruhezustand) 5- 6 mal so schnelle heftige
Atemzüge (Hyperventilation). Weiterhin steigen Herzfrequenz und Blutdruck
erheblich an. Diese Reaktion dauert etwa 2- 3 Minuten.
Die nicht zu kontrollierende Hyperventilation erhöht deutlich das Risiko, selbst
kleinste Mengen von Wasser einzuatmen, die ausreichen um zu ertrinken.
Weiterhin kann diese extreme Atmung zu Muskelkrämpfen und verringerter
Durchblutung des Gehirns führen, was die geistige Leistungsfähigkeit ( in einer
Überlebenssituation- Anm. d. Übers.) reduziert.
Mit weiterer Auskühlung des Körpers versagen die Funktionen von Nerven und
Muskeln der Arme und Beine, was innerhalb von Minuten dazu führt, dass die
Schwimmfähigkeit beeinträchtigt und die Greiffähigkeit der Hände reduziert ist.
Prof. Michael Tipton von der Universität von Portsmouth führt hierzu aus:
„Wenn man sich in einer derartigen Situation befindet, dann verdoppelt sich die
Chance zu überleben, wenn man eine funktionstüchtige und korrekt angelegte
Rettungsweste trägt. Man muss berücksichtigen, dass die ersten Minuten nach
einem Sturz ins Wasser extrem gefährlich sind. Man soll keine Schwimmversuche
unternehmen, außer man befindet sich direkt neben einem Boot im Wasser. Dann
soll man versuchen, erstmal zur Ruhe zu kommen und einen Gegenstand finden, an
dem man sich zumindest solange festhalten kann, bis man seine Atmung unter
Kontrolle gebracht hat.
Jetzt hat man etwa 20 Minuten Zeit zu entscheiden, ob man es zurück zum Boot
schaffen könnte oder besser um Hilfe ruft, bevor die Muskelkraft versagt. Unsere
Studien haben gezeigt, dass man am ehesten überleben kann, wenn einem klar ist,
welche Reaktionen es im Körper auslöst, wenn man ins Wasser gefallen ist und
wenn man hierauf mental vorbereitet ist.
Ein Schrittgurt oder ein anderes entsprechendes Fixierungssystem hält die
Rettungsweste in einer korrekten Position und verbessert den Auftrieb. Eine
Spritzschutzkappe schützt die Atemwege, wenn man infolge der Hypothermie
(Unterkühlung) bewusstlos werden sollte. Eine Rettungsweste bewahrt einen vor
Erschöpfung, indem man sich ausruhen kann, anstelle schwimmen zu müssen, um
sich über Wasser zu halten. Schwimmbewegungen in kaltem Wasser begünstigen
die Auskühlung des Körpers, so dass eine Rettungsweste auch zum Wärmeerhalt
des Körpers beiträgt. Die Signalfarbe des Auftriebskörpers, Reflexstreifen, Licht und
Trillerpfeife helfen bei der Suche und Rettung des Verunfallten.“
„Niemand fällt absichtlich ins Wasser“ ergänzt Geoff Matthews, HM Coastguard
Search and Rescue Officer. „ Aber Unfälle passieren nun mal. Training und
Gefahrenbewusstsein helfen enorm, aber es ist eine Tatsache, dass das Leben
etlicher Menschen jedes Jahr hätte gerettet werden können, wenn diese eine korrekt
angelegte und funktionstüchtige Rettungsweste getragen hätten.“
Die Überlebenszeit nach einem Sturz ins Wasser ist mehr als doppelt so hoch,
wenn eine Rettungsweste getragen wird. Schrittgurte und eine
Spritzschutzhaube sorgen dafür, dass diese nicht über den Kopf rutschen kann
bzw. dass die Atemwege geschützt werden.
Ergänzung
Der kanadische Mediziner Prof. Gordon Giesbrecht von der Uni Manitoba schreibt
ebenfalls zu diesem Themenkomplex im 5. Kapitel (Keep Your Head Up: Cold Water
Immersions) seines Buches über Hypothermie:
Eine Minute
Zehn Minuten
Eine Stunde
Durch den Slogan „ eine Minute- zehn Minuten- eine Stunde „ kann man sich auf
einfache Weise die ersten drei Phasen nach dem Sturz in kaltes Wasser
merken und was man während jeder Phase tun kann, um seine Überlebenschancen
zu erhöhen. Die angenommenen Zeiten variieren zwar in gewissen Grenzen, sind
aber als Schätzwerte absolut brauchbar.
Nachdem eine Person in sehr kaltes Wasser gefallen ist, hat bzw. braucht man
- 1Minute um seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Panik muss unbedingt vermieden werden.
- 10 Minuten für zielgerichtete Bewegungen. Dies wäre die Zeit, um aus dem Wasser zu gelangen oder die Situation in irgendeiner Weise zu stabilisieren.
- 1 Stunde bevor man infolge Unterkühlung (Hypothermie) bewusstlos wird. Unnötige und heftige Schwimmbewegungen sollten unbedingt vermieden werden, um den Wärmeverlust zu reduzieren und damit die Chance auf Rettung zu erhöhen. Wer eine Rettungs- oder Schwimmweste trägt, dem steht vielleicht noch eine weitere Stunde zur Verfügung, bevor es infolge der Hypothermie zum Herzstillstand kommt.
(zitiert aus “Hypothermia, Frostbite And Other Cold Injuries“- Prevention, Survival,
Rescue and Treatment von Gordon G. Giesbrecht und James A. Wilkerson – The
Mountaineers Books)
Übersetzung aus dem Englischen von Dr. J. Kohfahl Mai 2010
Gefunden in: ESV Informationen 3/11